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Der zweite Teil meines Tourberichts:
Der Lago Maggiore
Am Rande der Alpen, größtenteils Italien, ein kleiner Teil Schweiz. Und drumherum alles, was das Bikerherz begehrt: Kurven, Pässe, Cafès. Das wollten wir natürlich alles mitnehmen, aber vorweg: die Zeit war zu knapp, um annähernd alles mitnehmen zu können.
Außerdem hatten wir noch ein Trip ins 60 km entfernte Mailand geplant, da ging alleine schon ein Tag drauf.
15.06.: Am Lago Maggiore
Den Regen hatten wir gut verdaut, wie auch den Rotwein letzter Nacht. Für diesen Tag war mal nichts geplant: Es gab genug zu tun. Die Klamotten, welche noch pitschnaß an der Leine hingen, brauchten wohl noch etwas Zeit, um wieder furztrocken zu werden. Grund genug , mal ein Tag zum Abhängen am See einzulegen. Das Wetter dazu hatten wir: Keine Spur vom Regen, die Temperaturen näherten sich schon morgends der 30 Grad Grenze.
Der Campingplatz Smeraldo war prima: Direkt am See, sauber und ein brauchbares Ambiente. Lediglich die Toiletten erforderten Anfangs noch etwas Überwindung für unsere sitzplatzverwöhnten Ärsche, aber spätestens am zweiten Tag machte das auch nichts mehr aus.
Da wir quasi Gäste der Familie Trumm waren, war auch für Gesprächsstoff gesorgt: Der Stammeshäuptling (welcher absolut nix von unserer Ankunft wusste, geschweige denn einen von uns kannte) machte uns mit den hiesigen Gewohnheiten bekannt. Da er und Familie schon über 30 Jahre an diese Stelle kommen, ist es auch nicht verwunderlich, dass er jeden Baum mit Vornamen kannte.
So liessen wir die Sorgen zu Hause und genossen erstmal die Gegend, der eine beim Sonnentanken ( und Sonnenbrand holen), der andere (ich) beim Erkunden der Stadt Dormeletto.
16.06.: Rund um den Lago
Morgenstund' hat Gold im Mund (siehe Bild unten). Morgens um 9.00 Uhr waren wir schon frisch und munter. Kein Wunder, Du hältst es im Zelt bis maximal 8.00 Uhr aus, aber nur mit vorheriger Saunaerfahrung!
Das kam uns sehr gelegen, wollten wir doch heute den Lago Maggiore umfahren und bei vorsichtiger Schätzung waren das bestimmt an die 300 km.
So also rauf auf's Bike. Gottlob liefen alle Karren nach der Wasserschlacht vor zwei Tagen einwandfrei. Jetzt sollte uns nichts mehr aufhalten...
Das Camp für die nächsten Tage
Auf der faulen Haut liegen, endlich!
Pleiten, Pech und Pannen
Nachdem wir etwa 50 km gefahren waren, bemerkte Tom, dass seine SR nicht mehr richtig funzt. Vergaserproblem (hatte er erst kurz vor unserem Start in Deutschland montiert...).
Es blieb also nichts anderes übrig, als bei gnadenlos ballernder Sonne einen Stopp am Straßenrand einzulegen. Zu allem Überfluss lief jetzt auch noch der Sprit aus dem Teil. Half alles nix: Vergaser ausbauen, auseinandernehmen und schau'n mer mal...
Der Fehler? Schwimmer hing, aber beim ausseinandernehmen hat sich das Ding wohl gelöst...also wieder rein das Ding.
Im Hintergrund schepperte es gewaltig und als wir uns umdrehten, sahen wir gerade noch, wie eine Postfrau mitsamt ihrem Roller über ein Auto flog! Auch das noch!
Ein Sprint an die Unfallstelle und die erste Hilfe konnte erfolgen. Herbeigerufene Passanten verständigten auch gleich den Rettungdienst, was sehr erleichternd für uns war. Wen hätten wir anrufen sollen? Und wie erklären sollen, was passiert war, wo sich doch unser Italienischer Sprachschatz auf das bestellen von Getränken und Pizzen beschränkte?
Die Frau hatte Dusel, keine offenen Brüche, ansprechbar und die Beine fühlte sie auch noch. Nachdem der Rettungswagen (die waren sauschnell da, wirklich) die Signora versorgt hatten, kamen wir in den Genuss, bei den Carabinieri (für Dummköppe: die Polizei) unsere Zeugenaussage zu machen. Muss wohl ausgesehen haben, als hätte einer von uns einen Anfall erlitten, so wild mit Händen fuchtelnd. Erst als der zweite Polizist sich mit gebrochenem Englisch einschaltete, konnten wir zwar kein Licht in den Unfallhergang bringen, sowohl aber dem Gespräch einen sinnvollen Abschluss verleihen.
Adresse? Namen? Nö, Ciao!
Nach dem wir ca. 3 Stunden mit Unfall und Reperaturen verplempert hatten, war die Chance noch gering, den Lago umrunden zu können, es sei denn wir wollten im Dunkeln heimkommen. Wollten wir nicht, also verkürzen und irgendwann umdrehen. Das hiess: in Luino Wendemanöver!
Und was haben wir des Abends gemacht? Ratet mal...
Rechts: Blick von Luino Richtung Süden
Es darf geschraubt werden...
7.06.: Mailand oder was?
An diesm Tag war Mailand unser Ziel. Als uns unser Nachbar vom Verkehrchaos berichtete, entschlossen wir uns kurzerhand, mit dem Zug hinzufahren.
Leider sind wir mal wieder nicht rechtzeitig in Schwung gekommen, so dass es an diesem Tag zu spät für das Unternehmen 'Milano' war. Also auf den nächsten Tag verschoben...
Nicht nach Mailand
...sondern zur Burg nach Angera. Dies erwies sich mehr als nur Ersatz. In der Burg ist ein Puppenmuseum untergebracht (zugegeben, ich war etwas überrascht. Das letzte Puppenmuseum, dass ich besuchte, war in Hamburg auf dem Kiez...), welches auch für Outsider recht interressant war. Im Großen und Ganzen war die Burg Rocca Boromeo recht impossant, begehbar bis in den höchsten Turm.
Nach akribischem Erkunden der Burg gings nach Arona ins Cafe am See. So endete auch dieser Tag, zwar nicht so geplant, aber trotzdem gelungen.
Puppenmuseum im Rocca Boromeo
Seltsame Skulpturen im Rocca Boromeo - aber von aussen ein impossanter Anblick
8.06.: Mailand
Die Anreise
Früh aus den Federn gekommen (bei manchem musste gutgemeinte Gewalt angewendet werden) konnte es endlich losegehen. Am Bahnhof von Dormeletto sollte kurz vor dem Eintreffen des Zuges nach Milano der Fahrkartenschalter geöffnet werden. Hat sich was! Nix offen, also ohne Ticket in den Zug. Haben das Zugpersonal gesucht und in einer Gestalt bildhübschen Zugbegleiterin gefunden. Sie machte uns klar, das wir uns einen Platz suchen sollten und sie käme dann wegen der Tickets.
Schön. Bis Mailand kam sie nicht, hat es wohl vorgezogen, mit dem hübchen Bengel im Wagen hinter uns zu flirten, als uns Ochsen drei Tickets zu verkaufen. So kamen wir zum Nulltarif nach Mailand.
Cimitero Monumentale
In Mailands Nebenbahnhof angekommen, bot sich ein trauriges Bild: Dieser Ortsteil hatte nichts zu bieten, als depressives Grau, Müll und Dreck. So hatte sich niemand Milan vorgestellt.
Darum nix wie weg. Einen Stadtplan gekauft und erstmal planlos den nächsten Park angesteuert.
Von wegen Park: Ein Friedhof der Superlative, ein Monument neben dem anderen. Cimitero Monumentale. Der Name sagt schon alles. Da liessen wir es uns nicht nehmen, mal drüberzuschlendern, aber mit Silenzio, wie uns das Schild am Eingang befahl. Kein Problem, hatten wir doch alle eine gute Kinderstube...
Nach dieser eindrucksvollen Visite mussten wir erst mal ein Plan machen. Das nächste Ziel sollte heissen: Castello Sforzesco eine Festung der glanzvollen Epoche des Sforza-Clans
Castello Sforzesco
Dieses Kastell der bekannten Familie Sforza hatte es in sich: Von unüberschaubarer Größe beherbergt die Festung viele Museen, also los. Leider war die Zeit knapp, so mussten wir unseren kulturellen Abstecher auf die Ausstellung des Kastells und die Bildergalerie beschränken. Schlimm genug, wenn man bedenkt, dass der Eintrittspreis von 3 € auch noch das Schnäppchen des Tages war...
Nach etlichen Stunden und den Reiseführer in der Hand war uns klar: Ein Ziel, welches den Lesern von Dan Browns "Sakrileg" bekannt sein dürften: Das Fresko von Leonardo: Das "Abendmahl."





Ohne Plan, aber mit Stadtkarte
Leonardo da Vinci
Es stellte sich heraus, dass Leonardos restauriertes Fresko "Abendmahl" zu Fuß erreichbar in einer Kirche zu besichtigen war. Den Plan in der Hand steuerten wir unaufhaltsam drauf los. Nach ca. 45-minütigem Marsch bei gnadenloser Sonne hatten wir endlich die Kirche Santa Maria Della Grazie erreicht. Hurra.
Ein paar Worte gewechselt und schon wussten wir, wo Leonardo Da Vinci am Werke war.
So ein Pech: Restlos überfüllt. Der 'Türsteher' gab uns zu verstehen, dass wir bis heute Abend keinerlei Chance haben, reinzukommen.
So eine Scheisse. Da stehste 15m vor einem Zeugnis der Menschheitsgeschichte und kommst nicht ran. Wir mussten ja Abends wieder am Bahnhof sein, um den letzten Zug zurück zu erwischen. Also keine Möglichkeit, außer irgendwann mal wieder hier vorbeizuschauen...





Der Mailänder Dom
Zähneknirschend verließen wir den Ort, es gab ja noch einiges zu sehen. Die Zeit war zwar knapp, aber der Dom musste sein.
Doch hier der nächste Schlag in die Touristenfresse: Ein Gerüst verdeckte die Fassade des Doms. Heut war nicht unser Tag. Nichtdestotrotz über den Domplatz. Während Sven und Tom sich auf's Dach des Doms begaben, zog es mich in ein Cafè, was Kaltes braucht der Mensch. Das bekam ich auch gleich und zwar Füsse: 8 (!!) € für ein Pils, 5,50 für ein Sektchen. Na danke!! (dann halt nur ein Sekt, der Kreislauf dankte es).
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Die Rückfahrt von Mailand
Nach einem solchen Tag die Rückfahrt zu beschreiben, wäre zuviel verlangt. Nur soviel: diesesmal hatten wir Tickets vom Automaten. Hat reibungslos geklappt und der Automat ließ sich um ein Vielfaches einfacher bedienen, als es bei den der Deutschen Bahn der Fall ist. Hugh, ich habe gesprochen!!
Achja: das Bier am Campingplatz gab's auch noch, ein Schnäppchen, wenn ich an die Preise von Mailand denke!!
19.06.: Der letzte Tag am Lago...
Kurz sind die Zeiten des Glücks. So war jetzt der letzte Tag am Lago Maggiore angebrochen. Mal wieder am See rumlungern, schwimmen und in der Sonne brutzeln. Die Planungen für den nächsten Tag wurden gemacht: Diverse Pässe über die Schweiz Richtung Deutschland. Ciao Lago Maggiore, wir sehen uns wieder, bestimmt.
Kochen mit Phantasie: Hier eines unserer ausgefallenen Gerichte
Bewertung Campinplatz "Smeraldo" in Dormeletto/Italien:
(Schulnote): 2
Auf- /Abwertung:
Minus:
Plus
Campingplatzbier: 4 € pro Glas. Man(n) gönnt sich ja sonst nix!





Das nächste Kapitel beschreibt den Weg Richtung Heimat. Keine Angst, auch hier wird's interessant: Der Stopp im Donautal hatte es in sich! Klick' hier!
Als letztes findet ihr noch einige Impressionen vom Lago Maggiore: Einfach den Play Button drücken und los geht's.